Marcilla Gran Aroma Torrefacto

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Zu den Reisesouvenirs von unserem Spanienaufenthalt nach Ostern zählen auch vier verschiedene Kaffeesorten. Der erste Kaffee den wir hier getestet haben, trägt die Bezeichnung "torrefacto"(spanisch für "geröstet") wobei hierbei gemeint ist: Röstung unter Beigabe von Zucker, um die Säure und die Bitterkeit des Kaffees zu reduzieren. Das hört sich interessant an, dachten wir uns...
Die Röstung der Kaffeebohnen zusammen mit Zucker ist vor allem in Spaninen weit verbreitet. Der so geröstete Kaffee wird dem konventionell gerösteten Kaffee ("tueste natural") zu 20% - 50% beigemischt. Das Ergebnis wird als "mezcla" (spanisch für "Mischung") bezeichnet. Eine "mezcla" 70/30 besteht demnach aus 70% "tueste natural" und 30% "café torrefacto". Um welche Mischung es sich bei dem "Marcilla Gran Aroma Torrefacto" handelt, oder ob es überhaupt eine Mischung mit "tueste natural" ist, verrät uns der Packungsaufdruck leider nicht. Lediglich die Angabe "100% Arabica" sagt etwas über die Bohnen.
Jedenfalls präsentierten sich uns nach dem Öffnen der recht preisgünstigen 250g-Packung (1,80 Euro) kleine, sehr dunkel gefärbte und auffallend glänzende Bohnen, was dem karamellisierten Zucker zuzuschreiben ist. Beim Anfassen der Bohnen färbten diese auch deutlich ab.
Um den passenden Mahlgrad eines neuen Kaffees zu ermitteln verfahren wir normalerweise wie folgt: Erste Mahlung mit einer mittleren Mahlstufe, wiegen der automatisch dosierten Menge an gemahlenem Kaffeepulver und ggf. Korrektur der Dosiermenge an der Mühle. Danach Testlauf auf der Espressomaschine wobei die Laufzeit des Kaffees mit einer Stoppuhr und die Menge mit einem Messbecher überprüft wird. Jenachdem, ob der Kaffe nun zu schnell oder zu langsam durchläuft, muss der Mahlgrad verstellt werden und dabei entsprechend auch noch die Dosiermenge wieder angepasst werden. Normalerweise hat man nach ca. 3 bis 4 Testläufen die idealen Einstellungen für jeden Kaffee gefunden. Nicht jedoch beim "Marcilla Gran Aroma Torrefacto"! Dieser Kaffee zeigte sich nicht gerade von seiner anwenderfreundlichen Seite, da auch nur geringe Unterschiede beim Anpressdruck im Siebträger ein vorher ermitteltes Ergebnis schnell wieder zunichte machen konnten. Vermutlich verkleben die mitgemahlenen Zuckeranteile die feinen Löcher im Sieb, so dass je nach Anpressdruck mal mehr oder mal weniger Kaffee durchlaufen kann.
Zudem waren unsere Geräte nach nur wenigen Durchläufen derart verschmutzt, dass wir uns schon Sorgen machten, die klebrigen braunen Zuckerrückstände würden Mühle und Espressomaschine ruinieren.
Nach endlosem Justieren und Einstellen haben wir es dann schließlich doch noch geschafft, passende Werte zu finden und das Kaffeepulver richtig zu pressen. Leider war inzwischen fast der gesamte Kaffe aus der kleinen 250g-Packung aufgebraucht und die Bohnen reichten gerade mal für einen Espresso, einen Espresso Macchiato und einen Cappuccino zum testen.
Das Ergebnis entschädigte dann wieder etwas für den enormen Aufwand: Der Espresso zeigte ca. 50% Crema, eher hell und leicht gefleckt. Der Duft war etwas rauchig, aber im Vordergrund stand eindeutig ein karamellartiger und malziger Duft. Beim Geschmackstest stellten wir eine feine Säure und einen ganz leichten bitteren Nachgeschmack fest, aber auch hier dominierte eine süße Karamellnote. Beim puren Espresso war uns der bittere Nachgeschmack etwas zu kräftig, Milch rundete den Geschamck jedoch deutlich ab und harmonisierte gut mit dem Karamellgeschmack.
Unser Fazit: Manchem Espresso-Puristen mag sich bei dem Gedanken einen mit Zucker gerösteten Kaffee zu trinken möglicherweise der Magen umdrehen. Auch wir waren zunächst mehr als skeptisch. Dennoch überraschte uns der Kaffe mit einem vollen Aroma und einem erstaunlich guten Geschmack. Aber auch wenn der Kaffee gut zu trinken war, noch einmal kommt uns dieses Kaffeekuriosum aus Spanien nicht in die Maschine. Laut Packungsangaben soll der Kaffe zwar auch für Siebträgermashinen und Vollautomaten geeignet sein, wegen der starken Verschmutzung raten wir davon eher ab und empfehlen die Zubereitung der vorgemahlenen Variante dieser Sorte in der klassischen Espresso-Kanne auf der Herdplatte.

Unsere Bewertung:
e1 c2